Mythologie

   

Schon die verschiedenen volkstümlichen Namen für Helleborus, wie Christrose, Schneerose, Orakelblume, Teufelskraut oder Nieswurz deuten auf eine lange mythologische Tradition hin. Die Entstehung dieser Namen basiert zum Teil entweder auf einem wissenschaftlichen Phänomen (Nieswurz) oder auf einer jahrzehntelangen Überlieferung (Orakelblume, Christrose).


Nieswurz:

Der weit verbreitete Name „Nieswurz“ basiert auf der Tatsache, dass zerriebene Pflanzenteile zum Niesen reizen. Die Reizung der Schleimhaut ruft das in den Helleborus enthaltene Protoanemonin hervor. Dieses Phänomen machte man sich früher sogar zu Nutzen, um böse Geister und Krankheiten auszuniesen. Allerdings war diese Behandlung aufgrund der Giftigkeit der Christrose nicht ganz ungefährlich, wie man auch an dem Gattungsnamen (Helleborus) erkennen kann. Dieser setzt sich aus den griechischen Wörtern helein für Töten und bora für Speise zusammen. Von einer Nachahmung wird deshalb ausdrücklich abgeraten, da es bei der Verwendung auch schon zu Todesfällen gekommen ist! Vor allem bei Kindern sollte auf einen richtigen Umgang mit der Pflanze geachtet werden.

Christrose:

Zu der Entstehung des Namens „Christrose“ gibt es folgende Erzählung. Ein armer Hirte war auf dem Weg nach Bethlehem. Da er kein Geschenk bei sich trug, dass er dem Jesus-Kind überbringen konnte und er in der kalten Jahreszeit keine Blumen am Wegesrand fand, weinte er bitterlich. Doch als seine Tränen auf die Erde fielen, entwickelten sich aus ihnen Blüten so schön wie Rosen. Überglücklich überbrachte der Hirte die „Christ-Rosen“ als Geschenk dem Jesus-Kind.

Orakelblume:

Der Name „Orakelblume“ basiert auf der Tatsache, dass die Christrose früher dazu genutzt wurde, das Wetter für das kommende Jahr vorherzusagen. So wurden überwiegend auf dem Land in der Weihnachtsnacht zwölf Blütenknospen der Christrose in ein Glas mit Wasser gestellt. Hierbei stand jede der zwölf Blüten für einen Monat des kommenden Jahres. Das Wetter las man dann an der Art und Weise ab, wie sich die Knospen öffneten, da eine geschlossene Knospe schlechtes Wetter und offene Blüten gutes Wetter bedeutete.

Verwendung in der Antike bis zur heutigen Zeit:

Die Christrose war bereits in der Antike bekannt und wurde schon damals als Medizin verwendet. Hippokrates verabreichte Helleborus als abführendes- und harntreibendes Mittel. Außerdem galt Helleborus als Mittel gegen Geisteskrankheiten.

Im Mittelalter war die Christrose ein Bestandteil von Hexensalben und galt als Mittel zur Erhaltung der ewigen Jugend. Fein vermahlen sollte das Pulver der Christrose, wenn es auf den Boden gestreut wurde, sogar unsichtbar machen.

Im Jahre 600 v. Chr. diente die Christrose sogar als „biologische Waffe des Altertums“ mit dessen Hilfe ein Krieg beendet wurde. In diesem Krieg belagerten die Athener unter der Führung von Solon die Stadt Kirrha. Solon ließ den kleinen Fluss Pleisthenes, aus dem die Stadt ihr Trinkwasser bezog, umleiten. Eine gewisse Zeit konnten sich die Bewohner der Stadt mit Regen- und Brunnenwasser versorgen. Als ihnen auch dieses ausging, wurden auf Solon´s Befehl hin Wurzeln von Helleborus in den Fluss gegeben. Nachdem genügend Giftstoffe in das Wasser übergegangen waren, ließ Solon den Fluss wieder in sein altes Flussbett leiten. Die Bewohner der Stadt tranken nichts ahnend von dem Flusswasser und bekamen anschließend so starke Durchfallerkrankungen, dass es für die Athener am Ende ein leichtes war die Stadt zu erobern.

In der heutigen Zeit werden nur noch die Wurzeln von Helleborus niger in der Humanmedizin bei Herz- und Kreislaufbeschwerden eingesetzt. Hierbei findet vor allem das in den Wurzeln enthaltene Hellebrin Verwendung.